Nachtgespenst…

Gestern, am späteren Abend, saßen Udo und ich noch beisammen und liessen den Tag Revue passieren, als in der friedlichen Abendstille plötzlich hinter dem nächsten Bücherregal irgendein Kabel Eigenleben entwickelte und auf dem Fußboden entlangschabte…

Wir schauten uns an – und sprangen auf, der eine nach der Taschenlampe greifend, die andere nach einem ‚Mausfanglappen‘, wie sie hier in der Wohnung alle paar Meter deponiert sind.
Alles wegen Merle… Die uns hier seit Wochen einem aufreibenden Geduldsspiel oder vielleicht auch einem durchgeplanten kätzischen Experiment aussetzt, indem sie – vorzugsweise nachts – mal Mäuse in’s Haus schleppt und uns mit Triumphgeschrei präsentiert, mal nur triumphierend maunzend vor unseren Betten steht, bis wir vor Erschöpfung nicht mal mehr aufstehen mögen, um Mäuse am Stück oder in Teilen vom blutbefleckten Wohnzimmerteppich zu sammeln.

Würden hier nicht drei Katzen leben, davon zwei zartbesaitet, wäre die Katzenklappe zu und Merle könnte ihr Schlachtwerk im Keller fortsetzen. Da aber Lillifee durch jede Veränderung der Hausordnung Böses ahnt und wochen- bis monatelang in ihren scheuen ‚Wildkatzen-Modus‘ zurückfällt, ist uns dieser Schritt nicht möglich. Lacht nicht – wir haben hier bereits den zweiten Winter mit hochgebundenen Katzenklappen hinter uns gebracht, die Öffnung nur durch passend geschnittene feste Plastikfolie abgehangen, da Lilli sonst kein Pfötchen hindurchsetzen und lieber draussen leben würde. Seufz.

Aber zurück zu unserem Kabel mit Eigenleben…
Udo rückte das niedrige Regal von der Wand ab – und da saß das niedliche kleine knopfäugige Etwas im Lichtkegel unserer Taschenlampe… bevor es sich in ein blitzschnell agierendes, Haken schlagendes und dem ‚Mausfanglappen‘ immer wieder entkommendes Etwas verwandelte. Die folgende halbe Stunde Mausjagd spottet jeder Beschreibung – Udo rückte Regale im Schweiße seines Angesichts, ich robbte auf den Knien liegend dem Mäuslein hinterher und war immer zu langsam. Plötzlich war die Maus weg. Udo meinte, zur Spaltbreit offenen Terrassentür hinaus, ganz bestimmt. Die mittlerweile hinzu gekommenen Katzen waren ja auch ganz ruhig und völlig desinteressiert…

So ging ich also schlafen mit dem unguten Gefühl, ständig beobachtet zu werden.
Zu meiner Beruhigung schloß ich die Tür, die den Schlaftrakt vom Wohnzimmer trennt – was Udo nicht hinderte, sie etwas später mit einem Abstandhalter wieder aufzustellen, damit sein Schatz Kira auch diese Nacht in seinem Arm schlafend verbringen konnte. Was sollte ihm auch passieren, mit einer Wachkatze im Arm…

Mitten in der Nacht rissen mich Abbruchgeräusche aus dem Tiefschlaf – es dauerte, bis ich trotz meiner Schlaftrunkenheit sicher war, dass ich nicht träumte.
Klonk – Pause – Klonk…
Plötzlich hellwach sprang ich auf – Klonk! Wieso hört Udo das nicht? Klonk. Es kam aus dem Badezimmer, dass zwischen unseren Schlafräumen liegt. Ich stand barfuß im Bad und starrte den kleinen Kosmetik-Mülleimer an, der auf der Badewannenablage stand. Klonk – schepperte es unter dem klappernden Schwingdeckel und löste mich aus der Erstarrung. Schnell jetzt, bevor das Gespenst entweichen kann! Ich riss mich zusammen und widerstand der Neugierde, unter den Deckel zu schauen. Stattdessen klemmte ich mir den Eimer unter den Arm, hielt mit einer Hand den Deckel zu und eilte Barfuß, wie ich war, zur Terrassentür hinaus in den Garten zum Showdown. Auf dem Weg wäre ich vor lauter Anspannung fast noch auf eine Kröte getreten, obwohl der Garten mittlerweile durch unsere mit Bewegungsmeldern versehenen Strahler hell erleuchtet war.

Unter den Bäumen kniete ich mich in’s Gras und hob den Deckel vom Eimer – da saß die kleine braune Maus mit ihren Knopfaugen, starrte mich einen winzigen Augenblick an – und sprang dann, schneller als ich reagieren konnte, im hohen Bogen in die Bodendecker unter den Bäumen. Weg war sie, um einige Erfahrungen reicher. Ich hoffe nur, sie schlägt jetzt einen großen Bogen um jede Katze…

Der Gedanke daran, wie dieses winzige Nachtgespenst es bis auf die Badewannenablage und in den Kosmetikeimer schaffen konnte – und dass die Maus ohne weiteres falsch abbiegen und in meinem Schlafzimmer hätte untertauchen können – hielt mich noch eine ganze Zeit vom Schlafen ab.

Christina

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5 Gedanken zu “Nachtgespenst…

  1. Wozu braucht der Mensch auch nachts Schlaf. Mäusejagd ist viel abwechslungsreicher 😉
    Wir haben bewusst bisher auf eine Katzenklappe verzichtet – unsere sind auch nicht mehr panisch, dass sie immer eine Fluchtmöglichkeit bräuchten. Die fehlende Katzenklappe hat den Nachteil, dass ich 3 – 4 x die Nacht hoch muss um den ein oder anderen ins Haus zu lassen. Aber ich möchte nicht wissen, wer eine mögliche Klappe alles mit benutzen würde… Igel, Marder, markierende Fremdkatzen … abgesehen von den lebenden Mitbringseln, die sich auch mal die Wohnung von innen ansehen dürfen.
    Das kleine Mäuschen aus dem Kosmetikeimer hat jedenfalls Glück gehabt und wird sicher den Luxus eines eigenen Bades verschmerzen können.
    LG Christiane

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    1. Auf die Abwechslung würde ich gern verzichten – aber ich bringe es auch nicht über’s Herz, die Klappen zu schliessen. In 18 Jahren Katzenklappe gab es nur ein Mal eine Nachbarskatze, die unser Haus enterte, um die Katzennäpfe leerzufressen. Damals standen die Schälchen noch hinter meinem Sofa im Wohnzimmer und ich lümmelte gerade entspannt auf dem Sofa und las ein Buch, als ich die Klappe hörte und eine fremde Katze in unser Wohnzimmer geschlendert kam – geradewegs Richtung Schälchen. Ich starrte die Katze an, die Katze bemerkte mich und erstarrte… und flüchtete sofort rückwärts durch die Küche in den Keller, um durch die Kellerklappe zu entwischen. Nur war ich durch die Terrassentür schneller und stand schon an der Katzenklappe, als sie herausgeschossen kam, um sie ein wenig zu beschleunigen… Sie kam nie wieder. 😉

      Liebe Grüße von Christina

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  2. Merli bringt euch immer schönes Spielzeug mit nach Hause 🙂 Damit ihr Beschäftigung habt – ihr habt doch sonst keine, oder? 😆
    Spaß beiseite – unsere Mama fände das auch nicht toll. Was die Maus wohl im Kosmetikeimer wollte 😉 Aber gut, dass du sie befreien konntest 🙂 Du hättest ihr noch ein rotes Schleifchen anmachen sollen, dann hättest du gewusst, ob sie was gelernt hat und um die Plüschpöker einen Bogen macht 😀 Kira ist also Papas Liebling, was? 🙂
    Schnurrer Engel und Teufel

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  3. So eine Mäusejagd in der Nacht macht doch irre viel Spaß, nicht wahr?
    Da habt ihr ja eine aufregende Nacht verbracht!!!
    Und eure Miezen haben euch bei der Jagd nur zugeschaut? Das finde ich
    ja auch putzig!!!
    Merle hat es also voll drauf, euch mit „leckeren“ Speisen
    zu versorgen, oder? Und ihr könnt das überhaupt nicht richtig würdigen!!!
    Die kleine Maus kann ja froh sein, lebend aus eurem Haus gebracht worden
    zu sein. Ich frage mich auch, wie sie wohl in den Kosmetikeimer gekommen ist???
    Ich habe ja auch das große „Glück“, desöfteren im Keller bei meinen Kellerkatzen
    Mäuse, Frösche, Vögel, meistens aber schon tot, begutachten zu dürfen und sie auch
    zu entsorgen!!! Neulich lag sogar eine tote Fledermaus im Keller!
    Ja, ja, die lieben Kleinen können einen schon auf Trab halten!!!

    Liebe Grüße von
    Elke

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Eine Antwort maunzen

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