Mosaik

Gerade verbringe ich erkältungsbedingt mehr Zeit Zuhause als sonst – genau gesagt bin ich mit Unterbrechungen schon die zweite Woche krank daheim – und werde von den Katzen inzwischen voll in den Tagesablauf integriert. Anfangs haben sie sich noch über den verspäteten Tagesbeginn mokiert, und über das antriebslos durch’s Haus schlurfende und auf den Sofas herumhängende schniefende und hustende Wesen… Dann haben sie mich als herumschlurfendes Möbel akzeptiert und ihr normales Katzenleben wieder aufgenommen. Die Genesung schreitet voran und ich erfreue mich an der ungestörten Gelegenheit, Kira & Lilli tagelang zu beobachten. Hier ein paar Momentaufnahmen für euch:

Ich komme in die Küche, um den Tee abzugiessen, den ich mir aufgesetzt hatte. Da sitzt Kira still neben der Tasse auf der Arbeitsfläche, mit dem Rücken zu mir, und schaut aus dem Fenster – ganz in sich versunken. Der Anblick rührt mich sehr. Seit Merli nicht mehr bei uns ist, gehört die Küchenarbeitsfläche eigentlich nicht mehr zum kätzischen Einzugsbereich. Ob Kiri wohl gerade an Merli denkt…? Ich denke so oft an sie.

Ich sinke mit einer Tasse Salbeitee erschöpft auf das eine Sofa – auf dem anderen hockt Lilli wie ein kleiner Geier auf der Rückenlehne und späht nach Kira, die sich gerade im Eck zwischen den beiden Sofas auf ihren kleinen Podex setzt und mich mit großen Augen anstarrt: Ups, die ist ja auch noch da…!
Der Rest funktioniert per Gedankenübertragung und hinter meinem Rücken – während ich meinen Tee schlürfe, verschwinden beide Katzen ganz still durch die angelehnte Tür hinter mir in den Schlafräumen. Und da drehen sie auf, die wilde Jagd der galoppierenden Pfötchen geht hin und her und endet in meinem Schlafzimmer auf dem Schrank. Einen Moment später ist Kira zurück, läßt sich vor meinen Füßen auf ihrem kleinen Wellpapp-Sofa nieder, um sich ganz entspannt zu putzen. Alles perfekt! Wild getobt, ganz ohne Schimpfe!

Gerade verschwindet Lilli hinter mir eiligen Schrittes durch die Küchen-Katzenklappe in den Keller. Anders als Kira, die sich lieber die Türen aufhalten läßt, hat Lilli gar kein Problem damit, ganz auf sich gestellt das Haus zu verlassen. Jedenfalls solange die Klappen hochgebunden sind… Aber das ist eine andere Geschichte. 😉
Ich krame weiter in der Küche herum und einen Augenblick später sehe ich Lilli draussen vorm Fenster, ganz entschlossen Richtung Straße marschierend. Da ist sie wieder, meine Angst. Was zieht sie da an? Die Felder sind abgeerntet, auf der anderen Straßenseite ist nur noch blanke Erde…
Lilli hat das Tor erreicht – extra angeschafft, um Hunde draussen und die Katzen möglichst im Garten zu halten. Schöne Theorie. Unbeeindruckt von meinen sich jagenden Gedanken springt Lilli mit einem eleganten Satz auf das Tor, balanciert sich mit ihrem langen Schwanz aus und bleibt auf der Pforte sitzen, um ringsum zu lauschen und zu schauen. Fast erwarte ich schon, sie in einem ebenso eleganten Sprung auf der anderen Seite verschwinden zu sehen – aber nein, sie sitzt wie ein Vögelchen auf dem schmalen Grat der Pforte und macht es sich bequem. Ein Weilchen nur, da kommt unausweichlich ein Auto die Strasse heruntergebraust und Lilli springt eilens zurück in die Einfahrt, um in Sicherheit zu huschen.

Eigentlich bin ich auf dem Weg ins Bett, das Licht auf der Terrasse ist schon ausgeschaltet – da geht der Gartenstrahler an, irgendetwas hat den Bewegungsmelder ausgelöst. In den letzten Tagen reichten dafür schon herumwirbelndes Herbstlaub und stöbernde Igel. Ich schaue aus der Terrassentür und sehe Kiras weißes Brustfell im Lichtschein durch den spärlichen Winterjasmin leuchten. Ich öffne die Tür und frage, ob sie ins Haus möchte. Dumme Frage – wo sie gerade die Nächte so gerne draussen verbringt. Auf typische Kira-Art jodelt sie mir ihre Absage zu, sie hat noch zuviel vor! Tappst dabei durch das bunte Laub wie ein kleines Kätzchen. Einige Stunden später wache ich, wie fast jede Nacht, von Kiras Bett-geh-Ritual auf. Sie steht in Udos Schlafzimmertür und fragt ihn – leise jodelnd – ob sie zu ihm ins Bett darf… Sagt er ‚Komm!‘, kuschelt sie sich auf seine Bettdecke, hält seine Hand zwischen ihren Pfötchen fest oder legt ihr Köpfchen darauf wie auf ein Kissen. So finden wir dann schließlich alle in den Schlaf – glücklich darüber, dass es die anderen gibt.

Christina

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16 Gedanken zu “Mosaik

    1. Vielen Dank! Inzwischen bin ich über den Berg, heute geht es wieder los zur Arbeit.
      Die Katzen haben bestimmt ihren Teil dazu beigetragen… Haben mich auf ihre Art immer gut in Bewegung gehalten: Gib mir mein Schälchen!… Nein, doch nicht! 😀

      Liebe Grüße von Christina

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      1. Das freut mich sehr, dass es dir wieder besser geht. Meine Little Miss lässt sich auch nicht hochnehmen, aber wenn Frauchen ganz langsam und vorsichtig ihren Arm neben sie legt, dann fühlt sie das Schnurren auch. GGLG Odie
        P.S. Werde bald wieder ganz gesund.

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        1. Danke, lieber Odie! Mir geht es jeden Tag besser, nur der Husten will noch nicht aufgeben.
          Ich hoffe sehr, dass ihr inzwischen neuen Mut fassen konntet und sich ein Licht zeigt in der ganzen Misere. Ich denke an euch und drücke ganz feste die Daumen!
          Fühlt euch ganz lieb umarmt, liebe Grüße von Christina

          Gefällt 1 Person

  1. Wirklich schön beschrieben, aus dem tiefsten Inneren in ruhiger Minute aufgezeichnet. Danke sehr für diesen liebevollen und dennoch verständlichen, angstvollen Einblick.
    Haltet die Öhrchen steif und gute Besserung, liebe Christina
    wünscht Sabine

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  2. Hallo, liebe Christina,

    deine Ausführungen haben mich sehr berührt. Ich habe mich richtig in dich hineinversetzen können, so intensiv hast du deine Gedanken beschrieben. Auch wenn dir die süße Merli fehlt, hast du ja noch deine beiden Katzenmädchen.
    Ich hatte auch über zwei Wochen mit einer starken Bronchitis zu tun und kann so in etwa nachempfinden, wie es dir geht. So ganz ist meine Erkältung aber immer noch nicht weg.
    Ich wünsche dir gute Besserung, werde bald wieder gesund.

    Liebe Grüße von
    Elke

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    1. Danke, liebe Elke! Kira und Lilli sind uns wirklich ein Trost. Besonders auch, weil Lilli gerade so eine unglaubliche Entwicklung macht. Sie bringt uns soviel Vertrauen entgegen.
      Ich wünsche dir auch gute Besserung – so eine Bronchitis ist zäh, da hat man wochenlang was von.
      Liebe Grüße von Christina

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    1. Gern geschehen! 🙂 Kiri ist nachts fast noch süßer als tagsüber. Wenn ich sie nachts mal nicht gehört habe, brauche ich morgens nur durch Udos offene Schlafzimmertür zu linsen – meist liegt sie bei ihm angekuschelt und wartet, dass ich Frühstück mache…

      Liebe Grüße von Christina

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  3. Ja, das ist wieder einmal super schön beschrieben, wie eine sehr gute Kurzgeschichte!
    Man darf die Miezen nicht unterschätzen, zwei Bekannte von mir haben jeweils zwei Katzen. Aufgrund vieler Gespräche beobachten sie ihre Tiere inzwischen etwas anders, reagieren auch in punkto Futter überlegter und glauben inzwischen auch, dass es nicht nur hübsche Katzen sind, die sie da aus dem Tierschutz aufgenommen haben, sondern exlusive Charakteren.Es macht Spaß, die Entwicklungen zu beobachten, wie Mensch sich dem Tier nähert, er versucht es besser zu verstehen.
    Bei Euch kein Problem, wie man lesen kann! Danke dafür!

    Liebe Grüße
    Sabine

    Gefällt 1 Person

Eine Antwort maunzen

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